Grünflächen und Stadtklima

Erinnern Sie noch den letzten Sommer?

Es gab mehr als doppelt so viel Hitzetage wie im Durchschnitt üblich. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sich diese Zahl in Zukunft noch wesentlich erhöhen.

Berlin: Stadtklima in der Zukunft mit deutlich mehr Hitzetagen und Tropennächten

Die weltweite Temperatur wird bis 2100 um mindestens 2 Grad steigen. Auch die Zahl der Sommertage in Berlin (Temperaturen von 25 – 30 Grad) wird sich spürbar erhöhen, von aktuell durchschnittlich knapp 30 Tagen in den Monaten Juni, Juli und August bis zu 40 Tagen zur Mitte des Jahrhunderts. 2100 werden es dann 60 von insgesamt 92 Tagen sein davon sogar 30 Hitzetage (Temperaturen über 30 Grad).

Bei den sogenannten Tropennächten, also Nächten mit einer Temperatur nicht unter 20 Grad, sieht es ähnlich aus. Während heute 2 – 3 Tropennächten pro Jahr üblich sind, werden 2050 innerstädtisch 8-9 Tropennächte erwartet und zum Ende des Jahrhunderts sogar 15 – 17.

Im Moment rechnet man im Innenstadtbereich Berlins pro Jahr mit ca. 30 Sommertagen die als medizinisch relevante Belastung betrachtet werden, 2050 werden 35 – 38 solche Tage erwartet, dagegen nur 5 – 6 in durchgrünten Ortsteilen wie z. B. Dahlem oder Grunewald. Dort wird 2100 mit 17 Tage relevanter medizinischer Belastung gerechnet, im Innenstadtbereich dann mit 60 Tagen.

Von der Zunahme der sommerlichen Wärmebelastung sind insbesondere empfindliche Bevölkerungsgruppen wie Kinder, chronisch kranke und alte Menschen, Schwangere sowie Menschen mit schwerer körperlicher Arbeit betroffen.

Grünflächen, Parks und Kleingärten wirken in Städten temperaturreduzierend

Städte wie Berlin sind stärker vom Klimawandel betroffen als ländliche Lebensräume. In Städten werden sich die Lebensbedingungen grundlegend ändern. Städte sind Hitzeinseln, deren Temperatur im Schnitt 3 Grad höher als im Umland ist. Abends kann der Unterschied allerdings bis zu 12 Grad betragen. Ähnliche Temperaturunterschiede existieren auch unbebauten Flächen (z. B. Parks, Wiesen und Kleingärten) in Berlin. Ursache sind die hohe Baudichte in der Stadt sowie Wärmeemissionen durch Gebäude, Kraftwerke und Verkehr. Berlin ist innerhalb des S Bahnrings und z. B. auch in sehr dicht bebauten Gegenden wie an der Schlangenbader Straße fast eine einzige Hitzeinsel, während es zum Beispiel im nahen Ortsteil Grunewald deutlich weniger Hitzetage gibt und auch in Zukunft geben wird.

Zukunfts- statt investorenorientierte Stadtplanung

Eine investorenorientierte, die Zukunft ignorierende Stadtplanung verdichtet die Stadt ohne an die Folgen zu denken und beschleunigt damit den Anstieg der thermischen und der bioklimatischen Belastung der Infrastruktur und vor allem der Menschen. Daher gilt es, die Wechselwirkungen zwischen baulicher Dichte, intensiver Verkehrsnutzung und den grünen Stadtanteilen sowie deren Folgen für unser Stadtklima zu bedenken. Der Erhalt des Vegetationsbestandes, die Reduzierung des Versiegelungsgrades sowie die Erhaltung und der Ausbau von Grünanlagen und Kleingärten können die städtischen Nachteile des Klimawandels wenigstens teilweise kompensieren. Die höchsten bioklimatischen Belastungen sind im innerstädtischen hochverdichteten Bereich zu finden. Das bedeutet, dass Grünanlagen mit den betroffenen Bürgern erhalten und weiter optimiert werden müssen statt sie wild zu bebauen. Denn ihre Zerstörung oder auch nur Verkleinerung belasten unser Stadtklima enorm. Aus den gleichen Gründen ist eine Unterversorgung der Stadtquartiere mit Naherholungs-, Spiel- und Freizeitflächen auch in Hinsicht auf den Stadtklima zu vermeiden. Dazu gehören auch zusätzliche Verkehrs – und Lärmbelastung durch weitere Nachverdichtung. Wird Nachverdichtung nicht durch eine effiziente Ressourcennutzung durch kompakte Siedlungsstruktur gesichert trägt sie zum Klimawandel und Klimastress der Bewohner der näheren Umgebung bei. Dazu gehört auch, dass Nachverdichtung nur im Ausnahmefall nach § 34 BAuGb im beschleunigten Verfahren genehmigt werden darf, weil in diesem Fall keinerlei Überprüfung der Umweltfolgen erforderlich ist. Zum Schutz unseres Stadtklimas dürfen bestehende Frei- und Grünflächen nicht weiter zur Nachverdichtung genutzt werden.

In der Politik wird die Wichtigkeit von Grünflächen betont

Deutsche Städtetag: „Gleichzeitig ist gerade in dicht bebauten städtischen Quartieren eine stärkere Durchgrünung auch mit Schatten spendenden Großbäumen oder durch Dach- und Fassadenbegrünung geboten, um beim erwarteten weiteren Anstieg sommerlicher Temperaturspitzen gesundheitlich belastenden Hitzestress zu vermeiden und den Energieaufwand für Gebäudekühlung zu reduzieren. Klimagerechte Freiflächenentwicklung auf regionaler, gesamtstädtischer und Quartiersebene geht über den Schutz vorhandener klimarelevanter Freiräume hinaus und strebt eine quantitative und qualitative Verbesserung der Resilienz ( Widerstandsfähigkeit ) einer Stadt(region) gegenüber den Folgen des Klimawandels an. Durch mehr Grün im Umfeld verbessert sich die soziale Vielfalt, die Aufenthaltsqualität und Brauchbarkeit von Stadtquartieren.“

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin (Metropolitan Urban Charter): „Städte sollten versuchen mit vergrößerten oder / und konsolidierten grünen Parklandschaften und städtischen Wäldern – einschließlich Flächen als Lebensraum für heimische Tiere und Vögel verbunden durch weitere lineare grüne Schneisen oder Streifen sich dem Klimawandel anzupassen“.

In unserem Bezirk sollen nahezu alle Grünflächen (Luxus-)Wohnungen weichen

In Charlottenburg-Wilmersdorf allerdings wird die Stadtplanung scheinbar den Investoren überlassen. Die gesellschaftlichen Bedürfnisse nach Grünflächen werden ignoriert. Nahezu jede Grünfläche soll dem Bedarf neuer Wohnungen geopfert werden. Eine langfristige Planung ist nicht erkennbar. Große Kleingartenkolonien (Oeynhausen, Norderney/Wiesbaden) sollen aufgegeben werden. Was passieren wird, wenn 2020 viele Pachtverträge der Stadt mit Kleingartenkolonien verlängert werden müssten, kann man sich leicht ausrechnen. Zudem soll auch auf den letzten Grünanlagen in bereits dicht bebauten Wohngebieten (Cornelsenwiese) der Bau von Wohnungen genehmigt werden.

Öffentliche Grünanlagen sind genauso wie Kleingärten nicht nur Räume individueller Begegnung, sondern sie dienen dem Klimaschutz in vielfacher Hinsicht. Sie kühlen die Stadt, sorgen bei in zunehmendem Maß auftretenden Starkregenfällen für Versickerung (vor einigen Jahren bereits waren U-Bahnhöfe nach Starkregenfällen überflutet, weil die Wassermassen nicht mehr rasch genug abfließen konnten). Eine Wiese schluckt mehr Wasser als eine durch Bebauung versiegelte Fläche. Grünanlagen und Kleingärten kühlen die umliegenden Gebiete und sorgen im besten Fall für Frischluftschneisen in der Stadt.
GRÜN statt Beton

Eine zukunftsorientierte Stadtplanung muss die Verringerung von Treibhausgasen ebenso beinhalten wie die Anpassung an den nicht mehr zu leugnenden Klimawandel. Anpassung kann nur bedeuten, die Folgen für die Bewohner urbaner Räume zu mildern. Stadtplanung und bauliche Stadtentwicklung muss verdichten statt noch mehr Flächen zu versiegeln. Verdichtung muss sich aber an den Bedürfnissen der Bewohner orientieren, Grünanlagen optimieren und Kleingärten erhalten.